Samstag, 7. März 2009

Stufen der Bewusstwerdung

Nach meiner Erfahrung gibt es im Prozess der Bewusstwerdung ein paar Stufen, die uns schwieriger erscheinen als andere.

Die erste Stufe ist für mich die erste Erkenntnis, dass etwas ist wie es ist. So kann ich beispielsweise regelmäßig in meinen Haaren spielen und erkenne es erst als ein Freund mich darauf aufmerksam macht. Oder ich habe Angst vor Bindung oder Abhängigkeit in einer Beziehung und merke es erst nachdem ich das erste Mal mit einem Partner zusammen lebe. Diese erste Stufe erleben wir oft als intensiv und aufwühlend.

Nachdem wir - symbolisch gesprochen - die Tür das erste Prozent geöffnet haben, arbeitet die Erkenntnis in uns weiter und die Tür geht im Laufe der Zeit Stück für Stück weiter auf. Diese Phase erleben wir meist als sanft bis wir an der Schwelle der 50% stehen. Ich vergeliche dies gern mit einer Aktienmehrheit. Bei 50% ist die Schwelle. Bei 49% haben wir zwar viel zu sagen, aber wir bestimmen nicht selbst, was passiert. Bei 51% haben wir dann die Aktienmehrheit. Wir sind unabhängig vom Rest - die ausschlaggebende Stimme haben wir selbst. Diese Stufe erleben wir oft als anstrengend während dessen und befreiend sobald sie abgeschlossen ist.

Die Zeit nach dem Sprung in die Mehrheit ist ähnlich sanft wie die Zeit zwischen dem ersten Schritt und dem Sprung über die 50%. Anders wird es erst bei den letzten 3%. Das ist eine Zeit in der wir es fast geschafft haben aber uns das Leben zeigt, dass es doch nur fast ist und ein Rest bleibt der auch aufgelöst werden will. Manchmal habe ich das Gefühl das Leben präsentiert uns die letzten drei Prozent mit einem Vergrößerungsspiegel damit wir es sehen können. Dieser letzte Schritt läßt uns oft verzweifeln. Es fühlt sich so an als hätten wir nichts gelernt, als würden wir wieder am Anfang stehen. Und das läßt verzweifeln, wenn man berücksichtigt, dass man kurz vorher noch das Gefühl hatte, dass alles klar sei. Mir persönlich hilft in dieser Situation die Erinnerung an bereits durchlaufene Prozesse und die Erfahrung, dass dieses Gefühl der Verzweifelung bis hin zur Hoffnungslosigkeit nichts mit der Realität zu tun hat - nur ein Gefühl ist, was sich in dieser Phase einstellt.

Wenn dann der letzte Schritt erfolgt ist, erinnern wir uns nach einer Weile oft genug nicht einmal mehr daran, dass wir einmal diesen Weg gegangen sind. Wir haben die Erkenntnis in unser Leben integriert.